Ratgeber

Weiterbildung und Beruf als Arzt in Deutschland

Die Facharztausbildung in Deutschland

Die Facharztausbildung in Deutschland (noch Assistenzarztzeit oder ärztliche Weiterbildung genannt) ist die Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet, mit dem Ziel, den Facharzttitel auf diesem Gebiet zu erlangen. Mit der Facharztausbildung können Sie erst nach Erhalt der deutschen Approbation anfangen. 

Während der Facharztausbildung sind Sie hauptberuflich als angestellter Arzt tätig und arbeiten i.d.R. in einer Klinik, in einer Arztpraxis oder einem anderen medizinischen Zentrum und tragen die Positionsbezeichnung Assistenzarzt (auch Arzt in Weiterbildung oder Weiterbildungsassistent genannt). Nach erfolgreichem Abschluss der Facharztausbildung tragen Sie den Titel Facharzt (z.B. Facharzt für Innere Medizin).

Die Weiterbildung zum Facharzt muss unter Anleitung eines Weiterbildungsbefugten an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte absolviert werden. Das können je nach Fachgebiet Akut-Krankenhäuser, Rehakliniken, Arztpraxen oder andere medizinische Institute sein. 

Unser Tipp: Informieren Sie sich schon im Vorfeld, ob der Arbeitgeber Ihrer Wahl über eine Weiterbildungsermächtigung in dem jeweiligen Gebiet verfügt und ob diese für die gesamte Weiterbildungszeit ausgestellt wurde oder nur für einen Teil der Facharztausbildung. Wir sprechen oft mit Ärzten, die zwar als Assistenzarzt gearbeitet haben, aber in einer Klinik, die nicht über die notwendige Weiterbildungsermächtigung verfügt. Dies führt dazu, dass diese dort geleistete Arbeitszeit nicht zur Facharztausbildung zählt. Somit haben sie zwar praktische Erfahrung gesammelt, müssen aber die Facharztausbildung neu anfangen, an einer hierfür zugelassenen Weiterbildungsstätte. Auf den Internetseiten der Landesärztekammern können Sie nachschauen, ob das Klinikum, in dem Sie sich beworben haben über die entsprechende Weiterbildungsermächtigung verfügt. 

Je nach Fachrichtung dauert die Ausbildung zum Facharzt  i.d.R. 5 bis 6 Jahre. Dies setzt voraus, dass Sie in dieser Zeit alle in der Weiterbildungsordnung vorgesehenen Inhalte der Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Während der Weiterbildung müssen Sie diese Inhalte immer in einem Logbuch eintragen und durch den Weiterbildungsbefugten unterschreiben lassen. Dieses wird am Ende der Facharztausbildung durch die Ärztekammer geprüft und muss vollständig sein, damit Sie zur Facharztprüfung zugelassen werden. 

Um den Facharzttitel zu erlangen, müssen Sie in der Assistenzarztzeit einen festgelegten Aufgabenkatalog abarbeiten. Die Aufgaben und der genaue Ablauf der Weiterbildung sind in der Weiterbildungsordnung zusammengefasst. Die Weiterbildungsordnung ist also Grundlage dafür, wie eine ärztliche Weiterbildung erfolgen soll. 

Beachten Sie, dass die Bestimmungen für die Facharztausbildung nicht deutschlandweit einheitlich sind. Jedes Bundesland regelt diese Ausbildung anders und hat eine eigene Weiterbildungsordnung, die aber nahe an die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer angelegt sind. 

Die Weiterbildungsordnungen der unterschiedlichen Bundesländer finden Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Ärztekammer. 

Baden-Württemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Als Assistenzarzt erfüllen Sie alle ärztlichen Angelegenheiten, die die Patienten betreffen. Zu Beginn der Assistenzarztzeit sind das: 

  • Teilnahme an Besprechungen 
  • Blutentnahme 
  • ärztliche Aufnahme von Patienten, nachdem sie vom Pflegepersonal stationär aufgenommen wurden 
  • Durchführen von Anamnesegesprächen, körperlichen Untersuchungen, Aufklärungsgesprächen und Patientenvorstellungen 
  • Verabreichen von Medikamenten (die genaue Dosierung müssen Sie dabei nicht auswendig können, dafür gibt es mittlerweile spezielle Apps, die Sie benutzen können)
  • Schreiben (oder diktieren) von Arztbriefen. 

Dies sind Aufgaben, die Sie schon zu Beginn Ihrer Assistenzarztzeit beherrschen sollten, da Sie diese meistens selbständig durchführen müssen. Andere Aufgaben hingegen, wie z.B. das selbständige Legen eines Herzkatheters oder eines zentralen Venenkatheters, sowie die Durchführung von Sonographien oder von Operationen lernen Sie erst im Laufe der Facharztausbildung unter der Anleitung eines erfahrenen Facharztes. 

Der genaue Tagesablauf ist je nach Klinik und Station unterschiedlich, sieht aber im allgemeinen ungefähr so aus: Frühbesprechung, Blutentnahmen, Frühvisite, ggf. Röntgenbesprechungen, Aufnahme neuer Patienten / Durchführen von Operationen, Nachmittagsbesprechungen, Spätvisite und ggf. Gespräche mit Angehörigen, Erfassen von Untersuchungsdaten und Entlassungsbriefen (die genaue Rheinfolge der Aufgaben variiert natürlich auf den verschiedenen Stationen).

Mit der zunehmenden Digitalisierung auch im gesundheitlichen Bereich, gehört die Arbeit mit einer speziellen Software und das digitale Erfassen von Patientendaten zu den Pflichtaufgaben von Assistenzärzten. Das bedeutet nicht, dass Sie jede ärztliche Software bereits bei der Bewerbung kennen müssen, dafür ist natürlich die Einarbeitungszeit da. Sie sollten allerdings schon Computer affin sein. Wer sich zudem gut konzentrieren kann und schnell tippen kann hat einen großen Vorteil, denn das Eintragen der Untersuchungsdaten ins System und das Erstellen von Arztbriefen nimmt oft mehr Zeit in Anspruch als das Anamnesegespräch und die Untersuchung selbst. 

Während der Facharztausbildung müssen Sie keine Prüfungen ablegen. Am Ende der Assistenzarztzeit müssen Sie die Facharztprüfung in Ihrem Fachgebiet ablegen, um den Facharzttitel zu erlangen.

Assistenzärzte arbeiten wie alle anderen Ärzte. Laut der gesetzlichen Regelungen darf die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit bei einer Vollzeitbeschäftigung 48 Stunden nicht überschreiten. Im ärztlichen Bereich kann man allerdings davon abweichen. Da Ärzte oft auch Bereitschaftsdienste leisten müssen, arbeiten Ärzte in Wirklichkeit oft deutlich mehr (bis zu 60 oder in Einzelfällen sogar 80 Stunden die Woche).

Die Facharztausbildung in Deutschland kann sowohl in Vollzeit, also auch in Teilzeit erfolgen.

In den deutschen Kliniken gibt es unterschiedliche Arbeitszeitmodelle (Schichtsystem oder Dienstsystem).

Ausführliche Informationen über die verschiedene Arbeitszeitmodelle bekommen Sie in unserem Blogbeitrag: “Аrbeitszeiten als Arzt in Deutschland”.

Die Tätigkeit als Assistenzarzt während der Facharztausbildung wird immer vergütet.  Die Höhe der Vergütung  richtet sich i.d.R. nach dem geltenden Tarifvertrag und beträgt derzeit mind. 4.600 € brutto. Der Nettobeitrag nach Abzug von Steuern und Versicherungen ist von vielen Faktoren abhängig, wie z.B. von Ihrer Steuerklasse, Ihrer Kirchenzugehörigkeit, Ihrem Familienstand etc. In der Regel betragen alle Abzüge zusammen ca. 40-45 % der Bruttovergütung, es bleibt Ihnen also ein Nettogehalt von ca. 2.700 € übrig.

Dazu bekommen Sie auch eine Zusatzvergütung für Rufbereitschafts-, Nacht- und Wochenenddienste. Diese werden unterschiedlich vergütet, Sie können aber damit zusätzlich 300-400 € netto im Monat verdienen.

Ja, Sie können sich jederzeit umentscheiden und die Fachrichtung wechseln. In vielen Fällen wird sogar die Assistenzarztzeit von dem ersten Fachgebiet auf das zweite angerechnet, so dass Sie keine oder wenig Zeit durch den Wechsel verlieren.

Zum Beispiel, wenn Sie Ihre Facharztausbildung in der Inneren Medizin anfangen haben und später in die Radiologie wechseln möchten, bekommen Sie bis zu einem Jahr von der Inneren Medizin anerkannt.

Ja, Sie können sich jederzeit umentscheiden und das Klinikum wechseln. Sie müssen allerdings die jeweiligen Kündigungsfristen, die in Ihrem Arbeitsvertrag stehen, beachten.

Sie können so viele Fachkompetenzen erwerben, wie Sie möchten. Wenn Sie bereits die Facharztausbildung in einem Fachgebiet abgeschlossen haben, verkürzt sich ggf. die festgelegte Weiterbildungszeit für die Facharztausbildung in weiteren Bereichen, wenn Sie abzuleistende Weiterbildungszeiten bereits während der ersten Weiterbildung absolviert haben. Die noch abzuleistende Weiterbildungszeit darf höchstens um die Hälfte der Mindestdauer der jeweiligen Facharztweiterbildung reduziert werden.

Beispiel: Wenn Sie bereits die Facharztausbildung für Allgemeinchirurgie (insgesamt 6 Jahre) abgeschlossen haben und jetzt noch eine Facharztausbildung im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie anstreben, kann die zweite um 3 Jahre reduziert werden und dauert also noch 3 statt 6 Jahre.

Ja, Sie können die Facharztausbildung auch in Teil­­zeit absolvieren. In diesem Fall verlängert sich die Gesamtdauer der Ausbildung.

Beachten Sie, dass Teil­­zeit­wei­ter­­bil­­dung Ihre haupt­­be­­ruf­­li­che Tätig­keit sein muss.  Der zeit­­li­che Umfang (Stun­­den/Woche) der Teil­­zeit­­be­schäf­ti­­gung muss in Ihrem Weiterbildungszeug­­nis aufge­­führt werden.

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